Archiv für Februar 2016

TÜRKEI im KRIEG

Veranstaltung mit Nick Brauns
Fr. 26. Feb. 2016 um 19 Uhr
im MIGRApolis, Brüdergasse 16-18, Bonn

Die Türkei ist im Krieg – nicht nur in Syrien, wo sie pro forma der Allianz gegen die islamistische Terrormiliz beigetreten ist, sondern auch im Inneren der Türkei herrschen Ausnahmezustand und Staatsterror. Nick Brauns wird von der aktuellen Situation in den kurdischen Gebieten der Türkei und in Syrien berichten und auf die politischen Hintergründe der Konflikte eingehen.

Trotz wochenlanger Ausgangssperren, Belagerungen und Angriffen des türki-schen Militärs, versucht die kurdische Bevölkerung, insbesondere die Jugend, sich und ihre Städte zu verteidigen. Beleuchten wird Nick Brauns auch das Projekt der demokratischen Selbstverwaltung und die parlamentarischen An-sätze der HDP. Nicht zuletzt soll die Politik der Bundesregierung und ihr „schmutziger Deal“ mit der Türkei zur Flüchtlingsabwehr unter die Lupe genommen werden.

Nick Brauns ist Historiker und Journalist mit Schwerpunkten u. a. Türkei, Kurdistan und Mittlerer Osten. In den letzten Jahren hat er diese Region regelmäßig bereist – erst im Herbst war er in verschiedenen vom Krieg betroffenen kurdischen Städte im Südosten der Türkei (Nordkurdistan).

Veranstaltet von der Tatort Kurdistan Gruppe Bonn und der
Kulturgruppe Erinnern und Gedenken des Kulturreferats des AStA der Uni Bonn

Antisemitisches Transparent beim Protest gegen die AfD in Siegburg

Dieser Artikel basiert maßgeblich auf den Ausführungen des Blogs sechel.it mit der inhaltlichen Brisanz des Transparentes

Bei der gestrigen Kundgebung gegen die AfD auf dem Siegburger Marktplatz, hatte der dort ansässige Künstler Hermann Josef Hack ein antisemitisches und die Shoa relativierendes Transparent präsentiert, auf dem die Umrisse des Eingangsschildes des Konzentrationslagers Auschwitz zu sehen sind. Statt „Arbeit macht frei“ war dort „Freiheit macht Arbeit“ zu lesen, darunter war eine Schranke, die herunter fährt und ein Stacheldrahtzaun abgebildet. Damit wollte er anscheinend auf die prekäre Lage an den Grenzen Europas und einiger EU-Staaten, wie Ungarn, aufmerksam machen.

Das Transparent auf der Demonstration in Siegburg

Damit relativierte Hack die historische Einzigartigkeit der Shoa. Er verglich die aktuelle Situation von Geflüchteten mit den sechs Millionen ermordeten und teils ausgelöschten Existenzen von Juden_Jüdinnen, Sinti und Roma, als Nicht-deutsch Markierte und Andersdenkende durch die Nazis. Auf einem weiteren Bild vergleicht er Transit-Zonen mit Konzentrationslagern. Außerdem erläutert er die Intention seiner antisemitischen Malerei auf seiner Homepage:

    „Wie lange hat es gedauert und wie viele Opfer hat es gekostet, bis unsere freie Gesellschaft, in die wir ohne besondere Verdienste hineingeboren wurden, sich die Menschenrechte erkämpft hat? Zuletzt mit der Öffnung der Grenzen des Unrechtsstaates der DDR verschwand der Schießbefehl – wie ich dachte endgültig. Wer sich einmal den Stasi-Knast Hohenschönhausen angesehen und eine Führung durch einen ehemaligen Gefangenen miterlebt hat, mag sich vorstellen, was uns Künstlern blüht, wenn diejenigen Kräfte das Sagen haben, die jetzt laut den Schießbefehl fordern, diesmal gegen Frauen und Kinder (auch wenn sie wieder zurück gerudert sind), wenn es sich um Flüchtlinge handelt, die nur für ihr nacktes Überleben zu uns kommen wollen. Wehret den Anfängen! Wer sich jetzt nicht laut den ersten Versuchen, unsere freie Gesellschaft zu zerstören, entgegenstellt, der wird sich sehr schnell in einer totalitären Gewaltherrschaft wiederfinden, wie es uns die Geschichte lehrt.
    Freiheit und Gleichheit werden uns nicht geschenkt. Sie sind täglich immer wieder aufs Neue zu erarbeiten: Freiheit macht Arbeit! Also arbeiten wir daran!“

Screenshot einer weiteren antisemitischen Zeichnung HacksScreenshot einer weiteren antisemitischen Zeichnung Hacks

Als der „Künstler“ darauf angesprochen wurde, antisemitische Bilder zu verwenden und damit einen ohnehin schon nicht zu unterschätzenden, weit verbreiteten Antisemitismus zu reproduzieren, konnte er damit nichts anfangen außer hilflos zu lachen, bevor er dann erwiderte, dass er ja keinen Antisemitismus reproduziere und wer das nicht verstehe, wohl schlichtweg „zu dumm“ sei. Seine Absicht sei vielmehr, die Menschen zum Handeln, also zum Arbeiten für die Freiheit zu bewegen, und das genaue Gegenteil des eigentlichen Nazi-Spruches auszusagen. Warum er dafür KZ-Symbolik nutzen und die Shoa relativieren müsse, konnte er allerdings natürlich nicht begründen.

Das Bündnis „Bunter Rhein-Sieg-Kreis“, bestehend aus Grüner Jugend, Jusos, Junge Liberale, SPD, CDU, B90/Die Grünen und der Piratenpartei sowie der AWO, dem DGB und den Kirchen, vermochte es nicht, eine öffentliche Ansage zum Transparent zu machen und wollte „jetzt auch nicht erklären, warum das Transparent nicht antisemitisch sei“. Stattdessen wurde währenddessen auf der Bühne betont, dass nicht die AfD, sondern „wir hier das Volk sind“. Das einzige war vom Bündnis unternommen wurde war, den Künstler und seine zwei Gefolgsleute an den Rand der Kundgebung zu bitten, wo sein Transparent allerdings ebenso gut, wenn nicht noch besser zu sehen war.
Im Anschluss griffen noch die Organisatoren der zweiten Kundgebung (beide waren auf dem selben Platz, also räumlich nicht zu unterscheiden), bestehend aus der Linkspartei, der Linksjugend und dem Bündnis „Bonn stellt sich quer“, die Diskussion mit dem Künstler auf und sagten, dass die Aussage „Freiheit macht Arbeit“ zwar korrekt sei, jedoch in Kombination mit dem dargestellten Bild nicht tragbar sei.
Dennoch konnte das Transparent bis zum Ende der Veranstaltung fast durchgehend gezeigt werden.

Für uns ist es selbstverständlich, dass sich Antifaschist*innen jederzeit auch gegen Antisemitismus stellen müssen, egal ob bei Shoa Relativierungen, Israel bezogenem Antisemitismus oder antijüdischen Verschwörungstheorien.
Da gilt es die Menschenverachtung der AfD genauso zu kritisieren, wie die vermeintlicher Antirassist*innen! Immer und Überall!

NATIONALISMUS IST KEINE ALTERNATIVE!

„Seit Ende [vorletzten] Jahres sind in der ganzen Bundesrepublik Ableger der sog. PEGIDA-Bewegung auf der Straße, hetzen gegen „den Islam“ und „die Ausländer“. Rassist sei man nicht, ABER sagen müsse man das doch dürfen. Was PEGIDA mit Unterstützung organisierter Nazistrukturen auf der Straße fordert, wird von der Alternative für Deutschland aufgegriffen und in Parlamenten versucht umzusetzen. Beide – PEGIDA und AfD – verkörpern die selbsternannten Wutbürger. Sie heizen landauf, landab die Stimmung an. Auf dem Parteitag in Essen hat die AfD ihren wirtschaftsliberalen Flügel um Bernd Lucke abgesetzt und homophobe, gleichberechtigungsfeindliche, chauvinistische und nationalistische Scharfmacher_innen sind in Führungspositionen aktiv.

Die AfD ist letztendlich nur die Partei, die sich aktuell mit ihren rassistischen Forderungen am wütendsten gebärdet. Am Ende sind es die Maßnahmen der großen Koalition, die für den Ausbau der Festung Europa in führender Position verantwortlich ist.

Wir sind sowohl gegen den Wutbürgerrassismus von AfD und PEGIDA. Wir sind gegen ein kühl kalkuliertes Flüchtlingsmanagement durch Einsätze von Militär und Frontex an den europäischen Außengrenzen. Die Gesellschaft, die wir wollen, kennt weder Grenzen, noch Pässe, noch Geschlechter – eine Gesellschaft, in der alle ohne Angst verschieden sein können.“

Deshalb kommt am Donnerstag, den 18. Februar ab 18 Uhr in die Siegburger Innenstadt!
Lasst uns den Rassist*innen einen gebührenden Empfang bereiten!

- Die Veranstaltung der AfD beginnt um 19 Uhr auf dem Marktplatz -

* Aus dem Aufruf gegen den AfD Parteitag 2015 in Hannover