Chemnitz braucht uns – Kaltland nicht aufgeben

Am 1. Juni 2019 wollen Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet zum „Tag der deutschen Zukunft“ in Chemnitz aufmarschieren. Lassen wir die Chemnitzer*innen nicht allen und kämpfen wir zusammen für eine befreite Gesellschaft und gegen Diskriminierung jeglicher Form. Fahrt mit uns am 1. Juni nach Chemnitz – Antifa heisst Busfahren! Konkrete Infos und Karten für den Bus bekommt Ihr bei unseren Veranstaltung (z.B. nächste Antifa Info Kneipe am 6. April in der Alten VHS) und im Buchladen Le Sabot.

Ende August 2018 wüteten in Chemnitz eine Woche lang Rechtsextreme offen auf den Straßen. Die pogromartigen Krawalle, auch als die Hetzjagten von Chemnitz bekannt, ausgelöst durch den Totschlag an Daniel H., beschäftigten Wochen die deutsche und internationale Politik und Öffentlichkeit. Sachsen und „die Stadt Chemnitz wirkte“ dagegen „wie gelähmt“ (siehe hier).

Auf der sog. Gedenkdemonstration eine Woche nach dem Tod von Daniel H. marschierten bis zu 8.000 Neonazis und sog. Wutbürger*innen (Rassisten*inne) mit AfD-Abgeordneten auf. Horst Seehofer teilte der Öffentlichkeit mit: “Ich wäre, wenn ich nicht Minister wäre, als Staatsbürger auch auf die Straße gegangen” (siehe Reuters). Eine solche Aussage kann als Legitimation für die angesehen werden, die in den Tagen davor Jagt machten auf Geflüchtete, vermeintliche Ausländer*innen und Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen. Besonders prekär an Seehofers Legitimation ist, dass sie vom Innenminister d.h. der derzeitigen Regierung erteilt wurde – die glücklicherweise nicht alle mit tragen wollten. Auch zeigt Seehofers Reaktion auf rassistische und autoritäre Straßengewalt: die politische Gewalt und Verfolgung gegen und von Geflüchteten und Adersdenkenden war und bleibt Teil der Staatsräson. Zu dieser gehört auch die Verharmlosung von rassistischer und neonazistischer Gewalt. So spielte der Chef des Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) a.D. Maaßen die Ereignisse herunter, was ihm berechtigter Weise den Job kostete.

Die rassistische Hetzjagten im August 2018 sind bei weitem kein Einzelfall. Sowohl in Chemnitz, in Sachsen als auch in der gesamten undesrepublik vergeht kein Tag ohne Angriffe auf Menschen und Gruppen von Menschen, die in der Meinung von Neonazis, AfDĺern und sonstigen Wut/Angstbürgern überhaupt nicht existieren dürften. Gerade Sachsen ist dafür bekannt und gebrandmarkt – nicht ohne Grund, wie die Gruppe Critique´n´act in ihrem Aufruf „Kaltland nicht aufgeben“ anmerkt (Aufruf hier).

Doch wie Critique´n´act auch richtig feststellt, können Menschen in Sachsen auch anders. Am 02.03.19 fand in Chemnitz die Demonstration „Orange is our new Block – Für einen gesellschaftlichen Antifaschismus“ statt. Die Demo sollte nicht nur auf faschistische Netzwerke aufmerksam machen, sie war auch als Ausdruck einer gelebten Solidarität mit Geflüchteten gedacht. Die Forderung der Demo: Chemnitz soll ein sicherer Hafen in einer sozialen Gesellschaft für Geflüchtete werden. Es gibt mehrere Gründe für uns, immer wieder nach Chemnitz oder andere Brennpunkte rechter Mobilisierung zu fahren: Zunächst einmal, immer dann wenn in Orten wie Chemnitz sich pogromartige Szenarien zusammenbrauen und wir praktische Solidarität mit Betroffenen rassistischer Gewalt zeigen. Außerdem, orientiert am Aufruf von Critique´n´act, um Kontakte mit Gruppen aus Ostdeutschland zu knüpfen und über emanzipatorische Aktionen in Sachsen zu berichten. Besonders wichtig ist unsere Unterstützung am 01.06.19, wenn der bundesweite Naziaufmarsch „Tag der deutschen Zukunft“ dort stattfinden soll und wir mit einer Busanreise zu den Gegenprotesten fahren wollen.

Detaillierter Bericht über die rassistische Mobilisierung nach Chemnitz und die Beteiligten Akteure findet Ihr im Antifaschistischen Infoblatt (Rassistische Mobilisierungen in Chemnitz – eine Einordnung)

Eine konkrete und praktische Form der Unterstützung antifaschistischer Menschen in Chemnitz ist, wenn am 01.06.19 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet in Chemnitz auflaufen, nicht in westdeutschen Szeneblasen sitzen zu bleiben; praktisch auch zu schweigen, sondern da zu sein, wo die Nazis sind und bei unseren Genoss*innen zu sein. Die Grenze zwischen ost- und westdeutscher Linken aufzubrechen. Selbst wenn wir den Naziaufmarsch am 1. Juni in Chemnitz nicht wie geplant verhindern können sollten, können wir doch mit einer großen kraftvollen Demo die Öffentlichkeit auf die Zustände in Chemnitz aufmerksam machen. Die Aufmerksamkeit sollte so groß sein, dass in Sachsen niemand mehr dazu schweigen kann.
Deshalb fahrt mit uns am 01.06.19 nach Chemnitz.